Die Öffnungszeiten unseres Abhol-Service sind von Montag bis Samstag, jeweils von 12:00 bis 14:30 und 17:00 bis 19:30.



The Dark Side of the Moon oder zum Corona Lock Down light in gastronomischer Hinsicht

Nein, dies ist leider keine Betrachtung zu Roger Waters und David Gilmours Meisterwerk, sondern es handelt sich um ein paar erläuternde Worte zu den staatlichen Hilfen für die Gastronomie. Der Titel soll nur, Sie mutmaßten das schon, ein sog. Eyecatcher sein, damit Sie beginnen, diesen Text zu lesen. Schön, sie haben also tatsächlich angefangen, machen Sie doch mal weiter!

Es geht uns um die andere Seite der Medaille. Um ein wenig mehr Licht auf Informationen, die in der öffentlichen Wahrnehmung kaum bekannt sind. Nachvollziehbar ist dieses Weniger Wissen in mehrfacher Hinsicht. Denn transparent und stringent sind die gefällten Regierungsbeschlüsse zur finanziellen Unterstützung des Gastrogewerbes kaum zu nennen. Und darüber hinaus gilt ja ohnehin für uns alle: So genau, wenn es uns selbst nicht betrifft, wollen wir es meistens doch gar nicht wissen, wie es um unsere Zeitgenossen bestellt ist…

Sie möchten beispielsweise von uns Speisen zu guter Qualität bekommen. Punkt. Das sollte in der Tat eine legitime Erwartung an ein Restaurant sein. Und wenn geschlossen ist und Sie, weil Sie jetzt gerade Lust auf unsere Sachen haben, nichts bekommen können, dann ist das blöd. Sie müssen umplanen. Wir verstehen das nicht nur, sondern wir können es nachempfinden. Wir wollen Sie schließlich nicht enttäuschen. Vielleicht gar, wenn dies zu oft geschieht, wenden Sie sich von uns ab. Beinahe fürchten wir das. Und begreiflicherweise wollen wir das nicht.

Warum nun hatten wir, wenn Sie es wissen möchten, in der ersten Novemberwoche keine Mitnahme angeboten? Und warum öffnen wir ab dem 9. November? Sind unsere finanziellen Ressourcen derart, dass wir ohne Probleme einfach mal eine Woche schließen können? Denn schließlich – und dies wäre, um im metaphorischen Bild zu bleiben, die helle Seite des Mondes -, sind doch sage und schreibe 75% des Umsatzes, der im Vorjahresmonat November erzielt wurde, der Gastronomie als staatliche Hilfen zugedacht! 75% für einen Monat Zwangspause! Nicht schlecht, oder? Und Außerhaus-Verkauf ist auch erlaubt! Prima.

Aber jetzt müssen Sie leider den Blick auf die dunkle Seite des Informationsmondes werfen. Keine Angst, wir muten Ihnen nicht jeden Krater zu. Am Montag, den 2. November, war folgendes zu lesen:

Erhalten auch Gastronomen die Entschädigung, die trotz Schließung im November einen Abhol- oder Lieferservice anbieten? Laut dem Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) können auch Gastronomen die Corona-Finanzhilfe beantragen, die Speisen zum Mitnehmen verkaufen und damit also weiterhin eigenen, wenn auch geringeren Umsatz generieren. Nach aktuellen Informationen sollen die Erlöse dann mit anderen staatlichen Hilfsgeldern zusammengerechnet werden. Die Lücke, die dann bis zu 75 Prozent des Vorjahresumsatzes bleibt, wird aus dem neuen Programm erstattet.

https://www.gruenderlexikon.de/news/kurz-notiert/lockdown-im-november-finanzhilfe-fuer-betroffene-84233775

Verstehen Sie? Es ist etwas verschwurbelt formuliert, aber eigentlich nicht so kompliziert: Alles, was durch Außerhaus-Verkauf verdient wird, wird von den 75% der Novemberhilfe abgezogen! Und jetzt fragen wir Sie: würden Sie arbeiten, wenn Ihnen alles, was Sie verdienen könnten, nicht nur wieder abgezogen würde von dem ohnehin gewährten Betrag, sondern, wenn Sie zusätzlich durch Wareneinkauf, Energie- und Personalkosten ein weiteres Minus in der Kasse hätten? Nein, Sie würden nicht arbeiten. Weil es widersinnig wäre. Und eben darum hatten wir in der ersten Novemberwoche geschlossen.

Und warum öffnen wir jetzt wieder zum Abholservice? Am vergangenen Donnerstag, den 5. November, war dies zu lesen:

„Wenn im November trotz der grundsätzlichen Schließung Umsätze erzielt werden, so werden diese bis zu einer Höhe von 25 Prozent des Vergleichsumsatzes nicht angerechnet. Um eine Überförderung von mehr als 100 Prozent des Vergleichs-Umsatzes zu vermeiden, erfolgt bei darüberhinausgehenden Umsätzen eine entsprechende Anrechnung. Für Restaurants gilt eine Sonderregelung, wenn sie Speisen im Außerhausverkauf anbieten. Hier wird die Umsatzerstattung auf 75 Prozent der Umsätze im Vergleichszeitraum 2019 auf diejenigen Umsätze begrenzt, die dem vollen Mehrwertsteuersatz unterliegen, also die im Restaurant verzehrten Speisen. Damit werden die Umsätze des Außerhausverkaufs – für die der reduzierte Mehrwertsteuersatz gilt – herausgerechnet. Im Gegenzug werden diese Umsätze des Außerhausverkaufs während der Schließungen von der Umsatzanrechnung ausgenommen.“

https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Pressemitteilungen/2020/11/20201105-ausserordentliche-wirtschaftshilfe-november-details-der-hilfe-stehen.html

Alles klar? In unserem Fall, da wir Speisen immer auch zum Mitnehmen anbieten, werden nicht 75% berechnet, sondern nur der Umsatz, der durch den Verzehr im Haus erzielt wurde. Ich verrate Ihnen einmal unsere Zahl: wir würden einen Prozentsatz von 55,84% erhalten! Nicht 75%! Sondern 55,84%! Sehen Sie, das ist die dunkle Seite des Mondes.

Da der Außerhausverkauf in diesem Monat nicht, wie noch am Montag anderslautend berichtet wurde, angerechnet wird, sind wir also ab dem 9. November wieder am Start. Falls bis dahin nichts anderes an Umsetzungsweisen beschlossen wird. Die Antragsstellung für die wundersame Novemberhilfe ist übrigens bis heute (7.11.) nicht verfügbar. Man darf gespannt sein wann, und auch über den Zeitpunkt der Auszahlung darf man neugierig sein. Wird es vielleicht schon ein Nikolausgeschenk werden? Oder wird es doch erst eine Weihnachtsbescherung?

Lesen Sie immer noch? Sie sind ja erstaunlich hartnäckig! Sollten wir Ihnen dann vielleicht noch sagen, dass der Monat November als Vergleichsmonat und Berechnungsgrundlage ein denkbar schlechter Monat ist? Die ersten zwei Wochen des Novembers sind erfahrungsgemäß, und wir machen diese Erfahrung seit immerhin mehr als 10 Jahren, umsatzschwache Wochen, danach erst beginnt das sog. Weihnachtsgeschäft. Sollen wir von den Unwägbarkeiten eines Umsatzes sprechen, der ausschließlich auf Mitnahme ausgerichtet ist? Denn wir sind schließlich kein reines Lieferservice Unternehmen. Erinnern Sie sich noch an Ihr schönes Stadtgeld, das Sie im Juli und August von der Stadt Marburg bekommen haben? Wir freuten uns sehr über die zahlreichen bei uns eingelösten Gutscheine. Und wie erstaunt, um das mindeste zu sagen waren wir, als wir feststellen mussten, dass die von uns allen geliebte Stadt Marburg die angefallenen Beträge überhaupt NICHT zur Gänze ausgezahlt, sondern gleichmal anfallende Steuern abgezogen hat! Ohne vorherige Mitteilung. Einfach mal so. Ach, die dunkle Seite des Mondes hat so viele entlegene Täler… Sollen wir also vielleicht im Detail von den beträchtlichen Fixkosten wie Miete und besagten Steuerabgaben (Gewerbesteuer) sprechen? Vielleicht gar von dem Verhältnis von Zeit und Ertrag?

Nein, wir sehen es ein, das wären wirklich zu viele Krater und Baustellen und ohnehin ist dieser Beitrag ja schon viel zu lang geworden. Hören wir uns lieber gemeinsam wieder einmal Pink Floyd an. Kann doch nicht schaden, oder?

And if the dam breaks open many years too soon
And if there is no room upon the hill
And if your head explodes with dark forebodings too
I’ll see you on the dark side of the moon.



unkommentierter Nachtrag am 5. Dezember

aus der Süddeutschen Zeitung 5.12.20, 6:00

https://www.sueddeutsche.de/politik/corona-news-rki-neuinfektionen-tote-1.5132169

Medienbericht:

November-Hilfen werden nicht vor Januar ausgezahlt. Die Auszahlungen der staatlichen Überbrückungshilfen an die Wirtschaft verzögern sich einem Zeitungsbericht zufolge bis in den Januar 2021. Grund sei, dass das Software-Tool zur Antrags-Bearbeitung bislang noch nicht fertiggestellt sei, berichtet die Bild-Zeitung unter Berufung auf eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der FDP-Fraktion. „Der derzeit mit dem Dienstleister vereinbarte Zeitplan sieht vor, dass mit der Antragsbearbeitung möglichst im Dezember begonnen werden kann und Auszahlungen im Januar erfolgen können“, heiße es darin.